Keine Scrum Master!

23 Wege, um eine (agile) Transformation an die Wand zu fahren. Weg 10: Keine Scrum Master!Spa­re das Geld und stel­le lie­ber Ent­wick­ler dafür ein. Scrum Mas­ter ner­ven nur. Sie wol­len alles ver­bes­sern, ver­än­dern und mess­bar machen. Im Zwei­fel wer­den die Teams nur moti­viert, unan­ge­neh­me Ver­än­de­rungs­pro­zes­se anzu­sto­ßen, die Unzu­läng­lich­kei­ten im Manage­ment trans­pa­rent machen. Wenn die For­de­run­gen nach Scrum Mas­tern nicht mehr weg­zu­dis­ku­tie­ren sind, dann benen­ne Pro­jekt­lei­ter, Ent­wick­ler oder ande­re Leu­te, die viel beschäf­tigt sind, zu Scrum Mas­tern und hof­fe, dass sie kei­ne Zeit fin­den, den Job gut zu machen. Voll­zeit Scrum Mas­ter sind ein ers­ter Indi­ka­tor dafür, dass dir dei­ne klas­si­sche Orga­ni­sa­ti­on irgend­wann auf den Kopf gestellt wird.

Ein Soft­ware­ent­wick­lungs­team, das nach Scrum arbei­ten soll, ist ohne Scrum Mas­ter genau­so wir­kungs­los wie ohne Pro­duct Owner oder Soft­ware­ent­wick­ler. Sicher­lich gibt es sel­te­ne Aus­nah­men, aber grund­sätz­lich gilt: Wenn dei­ne Teams nach Scrum arbei­ten, braucht es jeman­den, der sich um die Tech­nik küm­mert, jeman­den für die Busi­ness Per­spek­ti­ve und jeman­den für die Pro­zes­se. Den Hut für die Ein­hal­tung und kon­ti­nu­ier­li­che Ver­bes­se­rung der Pro­zes­se und der Zusam­men­ar­beit hat der Scrum Mas­ter auf, ohne dabei dis­zi­pli­na­ri­schen Durch­griff zu haben. Der Scrum Mas­ter muss durch Über­zeu­gung, Vor­le­ben und Erle­ben füh­ren, nicht durch Macht. Er ist eine die­nen­de und kei­ne beherr­schen­de Füh­rungs­kraft, sofern man den Begriff der Füh­rungs­kraft über­haupt ver­wen­den will.

  • Pro Team emp­feh­len wir 0,6 Kapa­zi­tät, also 60 % der Arbeits­zeit eines Indi­vi­du­ums, als Scrum Mas­ter oder all­ge­mei­ner gefasst als Pro­cess Lead.
  • Es ist hilf­reich, wenn die­se Ver­ant­wor­tung inner­halb des Teams und zwi­schen den Teams unter frei­wil­li­gen, aus­ge­bil­de­ten Kol­le­gen rotiert, um den fri­schen Wind auf­recht zu erhal­ten. Dies hilft, um kon­se­quent Ver­bes­se­run­gen in Zusam­men­ar­beit und Pro­zes­sen zu unter­stüt­zen. Der regel­mä­ßi­ge Wech­sel ist wich­tig, da man auch in die­ser Auf­ga­be mit zu lan­ger Aus­übung in einem kon­stan­ten Umfeld schnell betriebs­blind wird. Da jedoch genau das Beglei­ten von Ver­än­de­run­gen der Kern sei­ner Auf­ga­be ist, darf der Scrum Mas­ter nicht Teil des Sys­tems wer­den.
  • Die 0,6 sind ein Durch­schnitts­wert und Durch­schnit­te sind grund­sätz­lich kri­tisch zu betrach­ten. Am Anfang braucht der Scrum Mas­ter mit einem neu­en Team eher mehr Kapa­zi­tät, mit der Zeit, wenn das Team in der Kon­stel­la­ti­on sta­bil bleibt, eher weni­ger Zeit.
  • Die grund­sätz­li­che Moti­va­ti­on eines Scrum Mas­ters oder Pro­cess Leads soll­te sein, sich selbst über­flüs­sig zu machen. Dann ist der Anspruch selbst­los und hoch, das Team zu befä­hi­gen und Pro­zes­se zu gestal­ten, ohne anschlie­ßend den eige­nen Auf­ga­ben­ver­lust zu fürch­ten.
  • Scrum Mas­ter befä­hi­gen Teams, ihre Auf­ga­ben effek­ti­ver (die rich­ti­gen Din­ge tun) und effi­zi­en­ter (die Din­ge rich­tig tun) zu lösen.
  • Der Scrum Mas­ter ist nicht dazu da, um Auf­ga­ben direkt zu über­neh­men und feh­len­de Res­sour­cen oder Kom­pe­ten­zen aus­zu­glei­chen. Er ist dazu da, das Team in einen Modus zu brin­gen, in dem das Team eine kon­stan­te, gesun­de Geschwin­dig­keit erreicht, die es unend­lich lan­ge durch­hält.
  • Das Ziel des Scrum Mas­ters ist es weni­ger, die Pro­duk­ti­vi­tät des Teams zu erhö­hen, son­dern mehr Ver­schwen­dung zu mini­mie­ren.

In jedem Team steckt die Fähig­keit, ein bestimm­tes Pro­blem zu lösen und ein bestimm­tes Ziel zu errei­chen. Die Auf­ga­be des Scrum Mas­ters ist es, die­se Fähig­kei­ten frei­zu­le­gen. Eine schö­ne Meta­pher ist die Ant­wort Michel­an­ge­los auf die Fra­ge, wie er denn so eine unglaub­lich schö­ne und prä­zi­se Sta­tue hat erstel­len kön­nen. Die Fra­ge bezog sich auf die über fünf Meter hohe Skulp­tur des David aus einem ein­zi­gen Mar­mor­block. Michel­an­ge­lo sag­te, David steck­te von Anfang an in dem Mar­mor­block. Er habe nur ent­fernt, was nicht David war.

Der Scrum Mas­ter Rol­le wird oft zu wenig Bedeu­tung bei­gemes­sen. Sie wird nur teil­wei­se, gar nicht oder mit unzu­rei­chend aus­ge­bil­de­ten Per­so­nen besetzt. Als Grund wer­den häu­fig zu hohe Kos­ten genannt. Dabei ist es eine ein­fa­che Rech­nung. Ange­nom­men, ein Scrum Mas­ter ver­ur­sacht ähn­li­che Kos­ten wie die ande­ren Team­mit­glie­der. In einem Team mit acht Per­so­nen muss er das Team nur 12,5 % effek­ti­ver machen, um sei­ne Kos­ten zu amor­ti­sie­ren. Kom­pe­ten­te Scrum Mas­ter errei­chen deut­lich mehr und dabei ist der Ein­fluss auf das Umfeld des Teams nicht berück­sich­tigt.

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