Baue viele Hürden!

23 Wege, um eine (agile) Transformation an die Wand zu fahren. Weg 15: Baue viele Hürden!In dei­nem Unter­neh­men bist du das Gesetz. Soll­te doch irgend­was funk­tio­nie­ren oder mög­lich sein, ohne dass du es willst, den­ke dir Hür­den aus, baue Bar­rie­ren und begrün­de sie mit Daten­schutz, Com­pli­an­ce oder Sicher­heit.

In jedem Unter­neh­men gibt es eine Kul­tur, die sich im Lau­fe der Zeit ent­wi­ckelt hat. Die Unter­neh­mens­kul­tur wird durch inne­re und äuße­re Fak­to­ren beein­flusst. Inne­re Fak­to­ren sind z. B. die Zusam­men­set­zung der Beleg­schaft, die Unter­neh­mens­pro­zes­se oder das Ver­hal­ten der Füh­rungs­kräf­te. Äuße­re Fak­to­ren sind der Arbeits­markt, die Poli­tik oder der Ort, an dem sich ein Unter­neh­men oder eine Nie­der­las­sung befin­det. Wir haben bei sehr vie­len Unter­neh­men erlebt, dass es im Lau­fe der Zeit zu einem Wan­del vom Wir zum Ich kommt, von unse­rer Pro­blem­lö­sungs­kul­tur zu mei­ner Pro­blem­lö­sungs­kul­tur, von der Selbst­or­ga­ni­sa­ti­on zur Büro­kra­tie.

In der Selbst­or­ga­ni­sa­ti­on ist jeder für die Fol­gen sei­nes Han­delns ver­ant­wort­lich. In der Büro­kra­tie ist eine Per­son von den Fol­gen ihres Han­delns abge­trennt. Wobei nichts zu tun auch eine Hand­lung dar­stellt. Wir haben Situa­tio­nen erlebt, die so stark durch Rege­lun­gen ein­ge­schränkt waren, dass die Pro­zes­se nur noch der Ein­hal­tung von Regeln dien­ten und die Lösung des ursprüng­li­chen Pro­blems nur noch zweit­ran­gig war. Wir hat­ten Mit­ar­bei­ter, die aus Daten­schutz­grün­den ihre eige­nen Per­so­nal­ak­ten nicht ein­se­hen durf­ten. Wir hat­ten Com­pu­ter, die aus Com­pli­an­ce- und Sicher­heits­grün­den so in ihrer Funk­ti­on ein­ge­schränkt waren, dass damit die eigent­li­chen Auf­ga­ben nicht mehr erfüllt wer­den konn­ten. Stel­le dir einen Uhr­ma­cher vor, der aus Arbeits­schutz­grün­den rie­si­ge, dicke Hand­schu­he tra­gen muss, oder einen Lie­fer­dienst, bei des­sen Fahr­zeu­gen alle Räder demon­tiert sind und die Karos­se­ri­en alle am Boden fest­ge­schraubt sind, denn wenn sie sich bewe­gen könn­ten, dann könn­te man damit Fir­men­da­ten weg­fah­ren. Es ist absurd, aber vie­le Unter­neh­men inves­tie­ren 120 € an Per­so­nal­kos­ten (weil der Pro­zess so lang und kom­pli­ziert ist), um 10 Stif­te im Wert von 5 € zu bestel­len. Das Gan­ze dau­ert dann noch 14 Tage. Der Wert der Per­so­nal­kos­ten auf­grund eines hohen Zeit­in­vests wegen eines kom­pli­zier­ten Pro­zes­ses über­steigt den Nut­zen um ein Viel­fa­ches. Es wird weder durch die Tat noch in der dafür ver­brauch­ten Zeit Wert für den Kun­den oder das Unter­neh­men gestif­tet. Es gibt vie­le Unter­neh­men, die die Ein­hal­tung ihrer selbst auf­ge­stell­ten Regeln zur Daseins­be­rech­ti­gung gemacht haben. Hilf­rei­che Lösun­gen sind die fol­gen­den:

  • Schaue dir dei­ne Pro­zes­se an und über­prü­fe regel­mä­ßig, ob sie ihre pri­mä­re Funk­ti­on erfül­len.
  • Benut­ze dei­ne eige­nen Pro­zes­se.
  • Nut­ze dei­ne IT Daten und baue auto­ma­ti­sier­te Kenn­zah­len in alle Pro­zes­se.
  • Eta­blie­re Schwell­wer­te, um Pro­zes­se zu prü­fen.
  • Visua­li­sie­re Kenn­zah­len – für alle.
  • Wenn Mit­ar­bei­ter Pro­zes­se umge­hen, hat das Grün­de, fin­de sie und ver­bes­se­re den Pro­zess.
  • Mache alle Pro­zes­se trans­pa­rent – für jeden. Fan­ge mit dem Pro­zess für Ver­än­de­run­gen an.
  • Jeder Pro­zess hat genau einen Ver­ant­wort­li­chen, der nach Mög­lich­keit auch häu­fig mit dem Pro­zess zu tun hat.
  • Wechs­le die Per­spek­ti­ve, ver­su­che die Jobs ande­rer Leu­te zu machen.
  • Bie­te Mit­ar­bei­tern an, die Auf­ga­ben (zeit­wei­se) zu tau­schen und mit den Erkennt­nis­sen etwas zu ver­bes­sern.
  • Eta­blie­re Feed­back­schlei­fen (z. B. mode­rier­te, regel­mä­ßi­ge Retro­spek­ti­ven).
  • Ver­su­che ein Umfeld zu schaf­fen, in dem Pro­zes­se mit gesun­dem Men­schen­ver­stand und ohne frem­de Hil­fe zu ver­ste­hen sind (Bei­spiel: Dreh­tür. Für die Benut­zung einer Dreh­tür benö­tigt nie­mand eine Anlei­tung).

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